Grillen in der Hausgemeinschaft

Grillen ohne Paragrafenzeichen
Kaum locken die ersten sommerlichen Temperaturen ins Freie, steht bei vielen schon der Grill im Garten, auf dem Balkon oder auf der Wiese vor dem Haus. Was ist schöner als mit Freunden und Familie in der Sonne zu plauschen und dabei ein köstliches gegrilltes Kotelett zu genießen? Doch nicht jedem läuft beim rauchenden Grill das Wasser im Munde zusammen. Ist der Grillrauch erst in die Wohnungen der Nachbarn eingezogen, ist es nicht selten vorbei mit dem Frieden in der Hausgemeinschaft. Bei allem Grillvergnügen sollte der eine nicht unter dem leiden, woran der andere seine Freude hat.

Wer darf grillen, was ist erlaubt?
Wohl dem, der sein eigenes Haus mit Garten hat. Er kann tun und lassen, was er möchte und im Garten grillen, was das Zeug hält. Weit gefehlt, so einfach ist es nicht. Es gibt keine einheitliche Rechtslage, aber zahlreiche Gerichtsentscheidungen. Da sind Rechtsprechungen, die Grillen im Garten maximal fünfmal pro Jahr erlauben. Darüber hinaus zeigen Vorschriften auf, dass der Grillbegeisterte mit seinem Holzkohlengrill die größtmögliche Entfernung zum Nachbargarten einhalten muss. Einfacher, manchmal auch schwieriger, gestaltet sich das Thema in der Hausgemeinschaft eines Mietshauses. Eindeutig ist die Sachlage, wenn der Hausbesitzer im Mietvertrag das Grillen auf dem Holzkohlengrill verbietet. Dabei hat er oftmals weniger die Rauchbelästigung der Nachbarn im Blick als die erhöhte Brandgefahr, die beim Grillen mit Holzkohle oder gar Spiritus als Grillanzünder auf dem Balkon vorliegt. In diesem Fall muss sich der Mieter an die Anweisung des Vermieters halten. Wer frei nach dem Motto ‚Wir sind Helden‘ dennoch seinen Grill anschmeißt, riskiert damit im schlimmsten Fall die Kündigung seines Mietvertrages. Es handelt sich um ein rechtskräftiges Verbot. Existiert im Mietvertrag keine derartige Klausel, ist generell gegen das Grillen nichts einzuwenden, wären da nicht die Ausnahmen. Fühlt sich nur ein Mieter durch den Grillrauch gestört oder stellt das Grillen auf dem Balkon eine Gefahr dar, muss der aktive Grillbesitzer mit hohen Geldstrafen rechnen.

Entspannt grillen in entspannter Nachbarschaft
In Deutschland gibt es kein Recht auf Grillen, aber auch kein generelles Verbot. Grillen fünfmal im Jahr, einmal pro Woche zu bestimmten Uhrzeiten und viele andere Rechtsprechungen zum Thema Grillen können eine gute Nachbarschaft kaum ersetzen. Gegenseitige Rücksichtnahme heißt die Devise. Eine Einigung oder Alternativen, von denen alle profitieren, lässt die Grillspezialitäten doppelt munden. Niemandem schmeckt sein Grillwürstchen bei dem Gedanken, dass der Nachbar von oben schon mit einem Bein im Gerichtssaal steht, um seine Rechte durchzusetzen. In einer Hausgemeinschaft mit freundschaftlichem Kontakt untereinander, wird der Nachbar ein Auge zudrücken, wenn der andere dann und wann mal grillt. Ein netter Kontakt mit den Nachbarn entsteht auch, wenn man einen gemeinsamen Grillabend vereinbart, zu dem jeder etwas mitbringt. Aus Treffen dieser Art entwickeln sich oftmals wertvolle Freundschaften. Und gibt es den einen Nachbarn, der krampfhaft gegen jeden noch so zarten Grillduft wettert, wird er vermutlich bei dem fertigen Grillteller schwach, den er liebevoll dekoriert serviert bekommt. Und findet der Holzkohlengrill partout keine Akzeptanz bei den Nachbarn, verwendet man einfach einen Elektrogrill. Das ist eine saubere Sache ohne Rauch und lästige Gerüche.